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Frauen in Führungspositionen: Der unterschätzte Erfolgsfaktor

Frauen in der Unternehmensführung – das hat in Deutschland heutzutage noch immer Seltenheitswert. Dabei sind gerade die Unternehmen mit einer durchmischten Chefetage besonders erfolgreich. Wie Vielfalt in den Vorständen zum Erfolgsfaktor wird.

Lesedauer: 5 Minuten
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rauen sind eindeutig in der Unterzahl. Nicht innerhalb der Bevölkerung, hier stellen sie mit 50,7 Prozent in Deutschland sogar die Mehrheit, sondern in den Chefetagen deutscher Firmen. In den Vorständen der 160 börsennotierten Unternehmen liegt der Frauenanteil derzeit bei 12,3 Prozent. Das hat die AllBright Stiftung, die für den Kulturwandel in der Wirtschaft kämpft, gezählt.

Warum schaffen es Frauen in Deutschland kaum an die Spitzen der Unternehmen? Diese Frage beschäftigt Management-Coach Dr. Barbara Schneider schon seit 30 Jahren. „Und ich hätte Anfang der Neunziger nicht im Traum daran gedacht, dass es heute immer noch so sein wird“, sagt sie. Zwar seien Frauen heute besser qualifiziert, scheiterten aber nach wie vor an drei Hürden: männlich geprägten Macht- und Managementstrukturen, der Vereinbarkeit von Kind und Karriere sowie der Blockade beim Thema Selbstvermarktung. „Frauen fühlen sich wohl, wenn sie in ihrem Fachgebiet agieren können, dabei geraten ihnen diese Faktoren oftmals aus dem Blickfeld“, sagt Schneider.

Firmen mit Frauen in der Führung sind erfolgreicher

Dabei haben sie durchaus starke Argumente auf ihrer Seite. Das wichtigste: Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen sind erfolgreicher. Das hat die Internationale Arbeitgeberorganisation in einer Studie bewiesen. Sie fand heraus, dass zwei Drittel der Unternehmen, die auf eine durchmischte Chefetage setzen, ihre Gewinne um bis zu 15 Prozent steigern konnten. Außerdem sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufriedener und produktiver.

Das ist laut Gender Diversity Index auf eine eher weibliche Führungseigenschaft zurückzuführen: das Zuhören. In Betrieben, die als divers wahrgenommen werden, geben 93 Prozent der Beschäftigten an, dass ihre Stimme gehört werde. Das sind 24 Prozent mehr als in Firmen mit al-lein männlicher Führung.

Weibliche Eigenschaften werden immer wichtiger

Frauen mit Führungsverantwortung sind ein Erfolgsfaktor –, weil sie
anders führen. Das liegt an ihrem Naturell. Während Männer gemeinhin als rational, lösungsorientiert und analytisch gelten, werden Frauen als intuitiv, empathisch und hilfsbereit wahrgenommen. In einer Zeit, in der eine gesunde Unternehmenskultur, Wertschätzung, Work-Life-Balance und sinnstiftendes Arbeiten wichtiger werden, gewinnen diese weiblichen Führungseigenschaften an Bedeutung.

Außerdem wird der gesellschaftliche Druck auf Unternehmen größer, Frauen in den Führungsriegen zu etablieren. Das hat Folgen, wissen Dr. Wiebke Ankersen und Christian Berg aus der Geschäftsführung der AllBright Stiftung: „Hält die Dynamik an, gibt es im Herbst den größten Zuwachs der letzten fünf Jahre.“ Dann wird die Unterzahl zumindest etwas kleiner.

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