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Beim Klimawandel ist es wie beim Fußball – und es steht 0:7

Wetterexperte Frank Böttcher schreibt, wie sich der Klimawandel jetzt stoppen lässt, warum Corona darauf kaum einen Effekt hat – und was das alles mit Fußball zu tun hat.

Lesedauer: 7 Minuten
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ährend des Trubels um Corona haben wir eine andere Krise zeitweise etwas aus den Augen verloren: die Klimakrise. Noch dazu haben viele auch noch geglaubt, Lockdown und Rezession hätten die Klimasituation sogar verbessert. Das ist leider nicht der Fall. Tatsächlich hat der Rückgang der Emissionen in Folge der Pandemie für das Klimasystem nur einen unerheblich kurzfristigen Effekt.

Zur Person

Frank Böttcher, 52, ist freiberuflicher Meteorologe, Speaker, Buchautor, Moderator. Er moderierte das Wetter unter anderem für das NDR-Fernsehen und den Onlinedienst wetter.net. Seit 2019 führt er  das Forschungsinstitut boettcher.science.

Es ist wie beim Fußball: Wenn man zur Pause 0:7 zurückliegt, ist es zwar besser, in der zweiten Hälfte weniger Tore zu kassieren. Das Ergebnis wird aber trotzdem noch schlimmer. Um das Spiel zu drehen, müssten mit Entschlossenheit Tore geschossen werden. Will sagen: Die Chance der Pandemie liegt darin, diese Halbzeitpause für eine völlig neue Aufstellung zu nutzen.

Staatliche Hilfen an CO2-Reduktion binden

Der Ball liegt bei der Wirtschaft. Es werden Milliarden investiert, die umso besser angelegt wären, je stärker sie eine nachhaltige Marktwirtschaft voranbrächten. Deshalb sollte zum Beispiel staatliche Hilfe an Unternehmen immer daran gebunden sein, dass die Mittel bestmöglich zur CO2-Reduktion eingesetzt werden. Für ein stabiles Klimasystem brauchen wir langfristig wirksame Entscheidungen und Maßnahmen.

„Versicherungen werden stärker als in vergangenen Jahrzehnten mit der Frage konfrontiert, welche Gebiete für welche Klimaschäden überhaupt noch versicherbar bleiben.“ Frank Böttcher, Meteorologe und Klimaforscher
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Einen ersten Schritt hat die Bundesregierung bereits getan. So greift seit diesem Jahr ein sogenannter CO2-Preis. Also ein Preis für jede Tonne CO2,  die ein Unternehmen verursacht. Dieser Preis liegt jetzt erst einmal bei 25 Euro pro Tonne, soll aber bis 2025 schrittweise auf bis zu 55 Euro ansteigen. Das ist aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt. Aber ich bezweifle, dass er genügt.

Klimaszenarien: Die große Wenn-dann-Maschine

Um das Klimasystem im für Menschen erträglichen Bereich zu stabilisieren, müssen wir schneller, globaler und entschlossener handeln. Klimaszenarien sind nichts anderes, als eine „Wenn-dann-Maschine“. Wenn sich Emissionen in einer bestimmen Weise verändern, dann verändert sich auch das Klima.

Das wird übrigens auch Folgen für die Versicherungswelt haben. Versicherungen werden stärker als in vergangenen Jahrzehnten mit der Frage konfrontiert, welche Gebiete für welche Klimaschäden überhaupt noch versicherbar bleiben. Gleichzeitig sind sie gefordert, die Öffentlichkeit und damit auch ihre Kunden auf die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse hinzuweisen, um eigene Schutzaktivitäten zu fördern und Schäden von vornherein zu vermeiden.

Klimawandel gefährdet auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Wir dürfen uns nichts vormachen: Wenn wir nicht entschlossener vorgehen, wird sich der Planet für uns in zwei Generationen so verändert haben, dass wir größte Schwierigkeiten haben werden, demokratische Strukturen aufrechtzuerhalten. Wenn der Druck auf dem gesellschaftlichen Kessel zu groß wird, dann besteht die Gefahr, dass sich Populisten durchsetzen. Die Demokratien müssen jetzt auch zeigen, dass sie in der Krise stark und entschlossen sind. Wie gesagt – es steht 0:7.

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